Warum MiFID II wichtig ist

Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise stehen die Aufsichtsbehörden vor der Herausforderung, den Schutz von Sparern und Anlegern sicherzustellen. Die ergriffenen Schutzmaßnahmen können jedoch auch Spannungen zwischen Banken und ihren Kunden hervorrufen. Um regulatorische Anforderungen zu erfüllen, müssen Banken viele Fragen stellen, die manchmal als aufdringlich empfunden werden. Die Kunden wollen zu Recht wissen, warum die Banken so viele Informationen über sie benötigen und wie diese Daten verwendet werden.

Demnächst dürfte es noch lästiger für die Kunden werden. Mit der Einführung der überarbeiteten EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente – bekannt als MiFID II – treten neue Verbraucherschutzvorschriften in Kraft. Auch wenn es darum geht, die Transparenz und Rechenschaftspflicht von Finanzdienstleistern zu verbessern und Verbraucher vor Betrug zu schützen, werden die Informationsanforderungen von den Kunden in der Anfangsphase möglicherweise als übertrieben empfunden.

Was ist MiFID II?

MiFID II wird im Januar in Kraft treten. Die Richtlinie wurde verabschiedet, um Anlegern bei einer breiten Palette von Anlageklassen, einschließlich Anleihen, Aktien, börsengehandelten Fonds und Devisen, mehr Schutz und Transparenz zu bieten. Es werden strengere Vorschriften für Investmentprodukte eingeführt, mit dem Ziel, Kunden mehr Klarheit über die von ihnen getragenen Kosten zu geben.

Als Bank haben wir zwei Hauptverpflichtungen:

Berücksichtigung Ihrer individuellen Situation

Wenn der Bankberater Fragen zur finanziellen Situation stellt oder wissen möchte, ob unterhaltsberechtigte Kinder vorhanden sind, denkt manch einer vielleicht, dass es hierbei nur darum geht, mehr Produkte zu verkaufen.

Doch das ist nicht unbedingt der Fall. Unter MiFID II sind Finanzdienstleistungsunternehmen verpflichtet, die Eignung und Angemessenheit des jeweiligen Finanzprodukts für den Kunden zu prüfen. So müssen beispielsweise die Verlusttragfähigkeit und Risikotoleranz der Kunden beurteilt werden. Hierzu müssen wir Ihnen Fragen stellen, um beurteilen zu können, welche Produkte für Sie am besten geeignet sind.

Die Prüfung der Eignung hat sowohl auf der Ebene des einzelnen Produkts als auch im Gesamtkontext Ihres Finanzportfolios und Vermögens zu erfolgen. Dazu müssen wir wissen, welche Anlagen und Finanzprodukte Sie sonst noch halten, um einschätzen zu können, ob Ihre Anlagen bei uns für sich genommen und im Gesamtkontext Ihrer finanziellen Positionen geeignet sind.

Außerdem müssen wir die Erfahrung und Kenntnisse unserer Kunden beurteilen und sie als Privatkunde, professioneller Kunde oder geeignete Gegenpartei einstufen. Davon hängt ab, welche Produkte wir Ihnen anbieten dürfen und welche Beratung bei diesen Produkten zu erfolgen hat. 

Erfüllung regulatorischer Anforderungen

Banken und Finanzdienstleister sind mit der Verwaltung und Betreuung großer Vermögen betraut. Die Aufsichtsbehörden wollen wissen, wo die Gelder herkommen und sicherstellen, dass sie nicht aus kriminellen Machenschaften stammen oder zur Terrorismusfinanzierung verwendet werden. Deshalb müssen Banken detailliertere Fragen zur Herkunft der Vermögenswerte ihrer Kunden stellen.

Wie gesagt, können diese Fragen als aufdringlich empfunden werden. Sie sind aber ein wichtiges Mittel zur Verbrechensbekämpfung. Je mehr wir über unsere Kunden und die Herkunft ihres Vermögens wissen, desto leichter können wir verdächtige Transaktionen erkennen. Sie können helfen, indem Sie Ihre Bank im Voraus über ungewöhnliche Transaktionen informieren – zum Beispiel über hohe Überweisungen oder den Kauf eines Hauses. Dann können Fragen auf ein Minimum reduziert werden.

Detaillierte Anfragen können zwar lästig sein und sogar als aufdringlich empfunden werden. Entscheidend ist aber, dass MiFID II dazu dient, Kunden vor dem Verkauf ungeeigneter Produkte zu schützen, die die Erreichung von Anlagezielen erschweren könnten. Darüber hinaus haben wir alle ein Interesse daran, zu verhindern, dass das Finanzsystem für kriminelle Machenschaften missbraucht wird. 

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