Gibt es gute und schlechte nachhaltige Anlagen?

Das Angebot an nachhaltigen Investmentfonds oder SRIs (Socially Responsible Investments) ist in den letzten Jahren beträchtlich gewachsen. Für Anleger ist es daher manchmal schwierig, die Fonds ausfindig zu machen, die ihren eigenen Nachhaltigkeitszielen entsprechen, da jede Fondsgesellschaft eine andere Anlagemethodik anwenden kann oder eventuell ein nachhaltiges Anlagekriterium anderen vorzieht.

Was ist ein ESG-Fonds und wie ist er aufgebaut?

Die große Mehrheit der Fonds, die eine ESG-Strategie verfolgen, versuchen, zu den 17 von den Vereinten Nationen definierten Zielen für eine nachhaltige Entwicklung beizutragen:

Quelle: unpri.org

Um diese Ziele zu erreichen, basieren die ESG-Strategien ihren Anlageprozess neben den herkömmlichen finanziellen Variablen (Bewertungen, Qualität der Unternehmensbilanz etc.) auch auf die folgenden nicht-finanziellen Variablen:

Umwelt

  • Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung 
  • Emissionen von Treibhausgasen
  • Energienutzung und -effizienz
  • Rohstoffverbrauch
  • Transport
  • Wasser- und Abfalllmanagement
  • Artenvielfalt und deren Schutz
  • Auswirkungen auf den Lebenszyklus

Soziales

  • Gesellschaftlicher Nettonutzen
  • Arbeitsbedingungen und - schutz
  • Diversitätsprogramme
  • Bindung
  • Menschenrechte
  • Beziehungen zu Stakeholdern (Gewerkschaften, NGOs, Gemeinden, etc.)
  • Lieferkettenmanagement
  • Materialbeschaffung
  • Produktsicherheit und -qualität Kundebeziehungen

Governance

  • Gesellschaftlicher Nettonutzen
  • Arbeitsbedingungen und - schutz
  • Diversitätsprogramme
  • Bindung
  • Menschenrechte
  • Beziehungen zu Stakeholdern (Gewerkschaften, NGOs, Gemeinden, etc.)
  • Lieferkettenmanagement
  • Materialbeschaffung
  • Produktsicherheit und -qualität Kundebeziehungen

Die Interpretation dieser nicht-finanziellen Variablen kann von Fondsgesellschaft zu Fondsgesellschaft unterschiedlich sein. Selbst innerhalb derselben Gesellschaft kann jeder Fondsmanager oder Analyst sie anders interpretieren.

Zu beachten ist daher der Umfang, in dem die verschiedenen ESG-Kriterien umgesetzt werden, oder mit anderen Worten, der Grad der Toleranz gegenüber kontroversen Aktivitäten in diesen Fonds.

Bestimmte Fondsgesellschaften tolerieren zum Beispiel überhaupt keine Handfeuerwaffen und Antipersonenminen, während Anlagen in Energieerzeuger gebilligt werden, solange bei ihnen die Kernkraft nicht mehr als 30 % ihres Umsatzes ausmacht.

Für andere, wie zum Beispiel ING, ist es wichtig, die Unternehmen zu unterstützen, die sich dazu verpflichtet haben, Ihre CO2-Bilanz deutlich zu verringern und soziale sowie Governance-Aspekte zu verbessern. Die meisten im Bereich ESG engagierten Unternehmen veröffentlichen Governance- sowie Nachhaltigkeitsberichte und legen bei diesem Thema großen Wert auf Transparenz und Kommunikation.

 

Wie kann man sich vergewissern, dass diese Fonds auch wirklich nachhaltig sind?

Die Fondsmanager stützen sich auf Datenlieferanten, die eine Quantifizierung und Objektivierung eines größtmöglichen Umfangs an Informationen und ESG-Kriterien ermöglichen. Diese Datenbanken sind wichtige Werkzeuge, allerdings mit einigen Einschränkungen:

 

Die Daten sind statistisch und basieren auf der Vergangenheit

 

Die verwendeten Informationen hängen von der Kommunikation und Transparenz der analysierten Unternehmen ab.

Nach den Fonds ist es ebenso wichtig, unabhängige Organe zu haben, die die Portfolios der ESG-Fonds überwachen und die prüfen, inwieweit die Kriterien einer nachhaltigen Anlage erfüllt werden. In Luxemburg und Belgien haben die Organisationen LUXFLAG (www.luxflag.org) und Febelfin (www.towardssustainability.be) ihre eigenen Qualitätssiegel für nachhaltige Anlagen geschaffen. Diese garantieren, dass die mit diesem Siegel ausgezeichneten ESG-Fonds die Mindestqualitätsstandards erfüllen.

Einige Fondsgesellschaften gehen sogar noch weiter und nutzen ihre Stimm- und Rederechte auf den Hauptversammlungen, um jedem Projekt oder jeder Entscheidung zu widersprechen, die gegen ESG-Kriterien oder ihre Überzeugungen in diesem Bereich verstoßen (Aktive Interessenwahrnehmung). Die Fondsgesellschaften stehen daher im engen Kontakt mit der Unternehmensleitung und können versuchen, positiv darauf Einfluss zu nehmen, dass diese die ESG-Kriterien einhält, wobei ihnen als letztes Sanktionsmittel die Möglichkeit eines Ausstiegs aus der Investition zur Verfügung steht.

Als Anleger können Sie darüber auch mit Experten sprechen, die zusammen mit Ihnen die Fonds analysieren können, in die Sie gerne investieren möchten. Bei ING zum Beispiel beobachten wir, dass die Fonds, die neue Energien, Nahrungsmittel, Hygiene oder Wasser als thematischen Schwerpunkt haben, deutlich weniger dazu neigen, Aktien von Unternehmen mit kontroversen Aktivitäten zu halten.

 

Welche Schlussfolgerung ist daraus zu ziehen?

Auch wenn es Grundsätze, Analyseinstrumente und Kontrollorgane gibt, ist die Einhaltung von ESG-Normen (Umwelt, Soziales und Governance) vor allem eine Frage des Engagements und der Überzeugung, mit allen damit verbundenen subjektiven Aspekten.

Dies sollte uns jedoch nicht davon abhalten, in ESG-Fonds zu investieren, denn indem wir nachhaltige Anlagen bevorzugen, werden wir immer mehr Unternehmen dazu antreiben, sich für Klimaneutralität und die Einhaltung anderer Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien zu engagieren. Investieren Sie zunehmend in ethische und verantwortliche Anlagen, damit dies zur neuen Norm bei Investitionen wird!

 

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