Das Universitätsstudium als rentable Investition

Wissen beansprucht keinen Platz, heißt es. Allerdings kann die Entscheidung für ein Universitätsstudium die Finanzen einer Familie gehörig in Anspruch nehmen. Zusätzlich zur Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes für mehr oder weniger Fachkräfte sollten wir uns mit der Frage beschäftigen, ob aus Investitionssicht Geld in eine Hochschulausbildung gesteckt werden sollte oder nicht: Ist es rentabel, an der Uni zu studieren? Und wenn ja, an welcher und wie lange?

Das Wichtigste zuerst: Warum ein Universitätsstudium?

Wie bei jeder anderen Art von Investition auch, sollte Ihre Entscheidung gerechtfertigt sein und ein klar definiertes Ziel haben. Sich im Alter von 17 Jahren festzulegen, warum man an der Uni studieren will, ist sehr schwierig – die meisten von uns wussten in dem Alter noch nicht genau, welcher Tätigkeit sie später nachgehen oder was sie werden wollten.

Die Antwort auf diese Frage kann viele Formen annehmen. Wichtig ist es, sich mit der Hilfe von Familienangehörigen vor „Gründen“ in Acht zu nehmen, die belanglos sind und sogar eine Gefahr für die Investition darstellen würden, zum Beispiel:

  • Weil alle meine Freunde an die Uni gehen werden
  • Einfach so …
  • Weil ich Klassenbeste/Klassenbester bin und es schon eigenartig wäre, wenn ich kein Hochschulstudium mache … was würde meine Familie sagen?
  • Weil ich erfolgreich im Berufsleben sein will

Die Aufnahme eines Universitätsstudiums ist eine wichtige Entscheidung im Leben, die vielen Dingen später Gestalt geben wird. Die Antwort auf die Frage muss deshalb sorgfältig durchdacht und zukunftssicher sein. Hier einige Beispiele:

  • Weil ich einer geregelten Berufstätigkeit nachgehen will, für die ein Universitätsabschluss benötigt wird (z. B. Anwalt oder Chirurg)
  • Weil ich für Positionen in Frage kommen will, bei denen ein akademischer Grad vorausgesetzt wird
  • Weil ich mich beruflich mit dem beschäftigen will, was mich begeistert (z. B. Architekt oder Professor)

Begründung für die Investition in ein Universitätsstudium

Nachdem das Ziel für die Investition in ein Universitätsstudium definiert worden ist, müssen wir die Rentabilität des Studiums und der Einrichtung, an der es durchgeführt wird, ermitteln. Wie bei jeder anderen Investmentanalyse auch, sehen wir uns die Erträge und die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Transaktion an. Zur Vereinfachung wurde für unser Beispiel ein Fall mit einem Universitätsstudium von vier Jahren Dauer ausgewählt, in dessen Verlauf der/die Studierende nicht arbeitet und keine staatliche Ausbildungsförderung erhält. Die Referenzkosten wurden Veröffentlichungen im Internet entnommen und gerundet – die Berechnung sollten Sie Ihrem konkreten Einzelfall entsprechend anpassen!

Unsere Beispielinvestition sähe in etwa so aus:

AUFWENDUNGEN:
  • Kosten von Studiengebühren pro Jahr: 10.000 Euro / Jahr
  • Lebenshaltungskosten pro Jahr (Wohnungskosten an der Uni, Lebensmittel, Transport, Freizeitaktivitäten …): 12.000 Euro / Jahr
  • Opportunitätskosten (Zeit): 23.000 Euro / Jahr
  • Zu beachten ist, dass diese Kosten je nach Universität und Stadt, auf die Ihre Wahl für das Studium trifft, unterschiedlich sind. Sie können die Berechnung leicht an Ihre eigene Situation anpassen.

    Zu beachten ist auch, dass die Lebenshaltungskosten unabhängig davon anfallen, ob Sie während des Studiums im Elternhaus wohnen oder nicht. Hinzugerechnet werden darüber hinaus die Opportunitätskosten der mit dem Studium verbrachten Zeit (in der also keine Einnahmen 

    Vereinfachend wird davon ausgegangen, dass die Kosten in den vier Jahren konstant bleiben, und sie werden gleichmäßig über die 12 Monate des Jahres verteilt. 
ERTRÄGE:
  • 1. bis 4. Jahr: 0 Euro
  • 5. Jahr: 33.217 Euro / Jahr (ca. 40.000 Euro Bruttogehalt)
  • 6. Jahr: 34.401 Euro / Jahr (ca. 42.000 Euro Bruttogehalt)
  • 7. Jahr: 35.567 Euro / Jahr (ca. 44.000 Euro Bruttogehalt)
  • 8. Jahr: 37.315 Euro / Jahr (ca. 47.000 Euro Bruttogehalt)
  • 9. Jahr: 39.646 Euro / Jahr (ca. 51.000 Euro Bruttogehalt)
  • 10. Jahr: 41.976 Euro / Jahr (ca. 55.000 Euro Bruttogehalt)

Ausgehend vom Ergebnis der Kapitalwertmethode mit einem Abzinsungssatz (Wert des Geldes) von 2 % stellen wir fest, dass bei den getroffenen Annahmen der Kapitalrückfluss unserer Investition nach 9 Jahren erfolgt.

Allerdings ist die Kapitalrückflussdauer natürlich länger, wenn das Beschäftigungsverhältnis zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen wird oder das Gehalt niedriger ist als oben veranschlagt. Außerdem fällt die Rendite der Investition schlechter aus, wenn die Aufwendungen höher sind als angenommen (Privatuniversität, erforderliche Wiederholungen von Kursen oder Sonstiges). Mit Tools wie Excel® oder ähnlichen Programmen lassen sich heutzutage unter Einbeziehung der Formeln für den Kapitalwert und den internen Zinsfuß problemlos unterschiedliche Szenarios durchrechnen.

Lohnt sich also die erforderliche Investition?

Das obige Beispiel zeigt deutlich, dass der Besuch einer Universität aus Anlegersicht mit erheblichem Aufwand verbunden ist, der sich nur in bestimmten Fällen lohnt. Wichtig ist es, das erworbene Wissen und die erworbenen Fähigkeiten möglichst bald zu Geld zu machen, sei es nun durch eine Beschäftigung bei Dritten oder durch eine selbstständige Tätigkeit.

Eine Alternative, um den finanziellen Aufwand „besser ertragen“ zu können, ist das Arbeiten während des Studiums. Die Arbeit ist wahrscheinlich schwer und zudem schlecht bezahlt, aber die Idee dahinter besteht darin, möglichst viel Erfahrung aus erster Hand zu sammeln.

Die Frage, welche Universität besucht werden soll, ist wichtig, da die Studiengebühren sehr unterschiedlich sind, und je nach Universität wird nicht nur Bildung erworben, sondern auch der Zugang zum Netzwerk der Geschäftsbeziehungen und zum Stellenmarkt der Universität. Nicht selten verschafft man sich, wenn man für das Studium mehr bezahlt, auch Zugang zu besser vergüteten Beschäftigungsverhältnissen, was wiederum die Anfangsinvestition rentabler macht.

Möglicherweise sollten wir alle unsere Denkweise ändern. Ähnlich wie wir uns mit einem beabsichtigten Projekt an unsere Bank wenden und die voraussichtlichen Gewinne und Verluste unserer Geschäftsidee und die Höhen und Tiefen beim Kauf unseres Traumhauses besprechen, sollten sich unsere Kinder, wenn sie aufs Abitur zugehen, vielleicht mit ihren Eltern zusammensetzen und ihr Lebensprojekt besprechen: wofür sie sich entschieden haben und warum, wie viel Geld sie brauchen und wie sie es voraussichtlich zurückverdienen werden. Dann haben wir rentable Investitionen.

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