Was ist eine Anleihe?

Eine Anleihe ist ein Forderungspapier, das der Staat, eine Gebietskörperschaft, ein staatliches Unternehmen oder eine private Gesellschaft ausgibt, um Kapital an den Märkten zu beschaffen. Wenn Sie eine Anleihe zeichnen, leihen Sie der Stelle, die die Anleihe ausgibt, Geld. Im Gegenzug erhalten Sie im Prinzip jährliche Zinsen in Form eines Kupons und die Anleihe wird Ihnen am Ende der Laufzeit zurückgezahlt. So wird eine Anleihe, die mit einem Wert von 1.000 Euro bei Zinsen von 3% auf zehn Jahre ausgegeben wurde, am Ende der zehn Jahre in Höhe von 1.000 Euro zurückgezahlt. Sie erhalten das Kapital zurück, das Sie am Anfang investiert haben.

Anleihen sind im Allgemeinen festverzinslich: Während der gesamten Laufzeit erhält der Anleiheinhaber einen festen Kupon, der in Prozent vom Anleihenwert ermittelt wird (3% von 1.000 Euro, wenn wir bei dem obigen Beispiel bleiben). Bestimmte Anleihen werden mit variablem Zins ausgegeben. In diesem Fall richtet sich der Zinssatz nach der Entwicklung des Marktzinses (der in Europa am häufigsten verwendete Referenzzinsatz ist der EURIBOR), der selbst wiederum im Allgemeinen von der Inflation abhängt. Wenn die Marktzinsen steigen, steigt auch der Kupon. Und umgekehrt.

Auch die Laufzeit einer Anleihe kann unterschiedlich sein und von einigen Monaten bis hin zu mehreren Jahrzehnten reichen, wie dies bei Staatsanleihen oft der Fall ist.

Welche Vorteile haben Anleihen?

Der wesentliche Vorteil einer Anleihe liegt darin, dass Kupons vorhersehbar und regelmäßig sind. Im Gegensatz zu Dividenden, die der Inhaber einer Aktie erhält, steht der Ertrag aus einer Anleihe nicht mit der wirtschaftlichen Leistung des Emittenten in Zusammenhang.

Sie sind nicht verpflichtet, Ihre Anleihen bis zum Ende der Laufzeit zu halten. Sie können Anleihen durchaus vorher verkaufen, wenn Sie Geld brauchen.

Anleihen stellen schließlich eine gute Anlage dar, wenn man von sinkenden Zinsen ausgeht. Zudem sind Zinsen auf Anleihen fast immer höher als Zinsen bei Sparbüchern.

Welche Risiken sind mit Anleihen verbunden?

Auch wenn eine Anleihe deutlich sicherer ist als eine Aktie, ist eine Anleihe nicht risikolos. Bei Anleihen bestehen im Wesentlichen zwei Risiken.

Das Ausfallrisiko

 

Der Emittent kann die Anleihe bei Fälligkeit nicht zurückzahlen. Im Prinzip ist dieses Risiko vor allem bei Staatsanleihen gering, aber seit der Finanzkrise 2008 haben sich die Dinge ein wenig geändert. Zahlreiche Anleger meinen nämlich, dass gewisse Staaten wie Griechenland oder Portugal pleite gehen können. Das erklärt, warum die Zinsen von griechischen, spanischen oder italienischen Anleihen so hoch sind. Der Zinssatz spiegelt das Vertrauen, das Anleger in das betreffende Land haben, und damit den spekulativen Charakter der Anleihe wider.

Betrachten wir ein Beispiel. Wenn Sie Staatsanleihen aus Deutschland kaufen, gehen Sie kein Risiko ein. Sie erhalten deswegen einen sehr niedrigen Kupon, da die Rückzahlung der Anleihe im Prinzip sicher ist. Bei griechischen Anleihen ist der Zins dagegen höher, weil Anleger das Ausfallrisiko des griechischen Staats als höher einschätzen. Dieses Risiko wird deswegen mit einer höheren Rendite vergütet.

Die gleiche Argumentation kommt bei Unternehmen zum Tragen. Je solider das Unternehmen ist, desto niedriger ist der Zinssatz. Und umgekehrt.

Zinsschwankungen

 

Wenn Sie Ihr Geld vor dem Ende der Laufzeit Ihrer Anleihe zurück haben wollen, laufen Sie Gefahr, weniger als das anfänglich investierte Kapital zu erhalten. Grundsätzlich steigt der Wert einer Anleihe am Markt, wenn die Zinsen sinken, und der Wert sinkt, wenn die Zinsen steigen. Bei Ausgabe der Anleihe spiegelt der Zins Ihrer Anleihe die Marktbedingungen wider. Wenn später vergleichbare neu ausgegebene Anleihen höhere Kupons bieten, verliert Ihre Anleihe an Attraktivität und ihr Wert sinkt.

Zu beachten ist, dass mehrere Arten von Anleihen mit jeweils besonderen Modalitäten existieren. Hierzu gehören u. a. Wandelanleihen (die Anleihe kann in Aktienform zurückgezahlt werden, wenn der Zeichner dies wünscht), „Obligations à Fenêtres“ („Fensteranleihen“) (die Anleihe wird in mehreren Phasen, den so genannten „Fenstern“ zurückgezahlt) und Null-Kupon-Anleihen (während der Laufzeit der Anleihe wird kein Kupon gezahlt; Kupons werden vielmehr thesauriert und bei Fälligkeit gezahlt).

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