Wie funktioniert das Einkommensteuersystem in Luxemburg?

Wenn Sie in Luxemburg arbeiten möchten, haben Sie sicher Fragen zum Steuersystem des Landes. Müssen Sie im Großherzogtum Steuern zahlen? Welche Einkünfte werden besteuert? Welche Steuerarten und Steuersätze gelten? In unserem Steuerleitfaden für Expats in Luxemburg finden Sie Antworten auf all diese Fragen.

Ansässige und Nichtansässige

Zunächst einmal sollten Sie wissen, dass die Steuerregelungen für natürliche Personen in Luxemburg unabhängig von der Nationalität ausschließlich auf dem Wohnsitzprinzip basieren. Natürliche Personen gelten als ansässige Steuerpflichtige, wenn sie ihren Steuersitz in Luxemburg haben und mindestens sechs Monate am Stück im Land gelebt haben. Nichtansässige Steuerpflichtige sind Personen, die zum Arbeiten über die Grenze kommen, sowie neu eingereiste Personen während ihrer ersten sechs Monate in Luxemburg. Ansässige müssen auf alle ihre Einkünfte Einkommensteuer zahlen, wohingegen Nichtansässige nur ihre Einkommensquelle in Luxemburg versteuern müssen. In gewissen Fällen erhalten im Land ansässige Ausländer jedoch einen Sonderstatus, durch den sie in bestimmten Einkommenskategorien steuerlich als Nichtansässige behandelt werden.

Das Großherzogtum unterhält Doppelbesteuerungsabkommen mit mindestens 80 Ländern, die dafür sorgen sollen, dass Einkünfte, die bereits in einem Land versteuert wurden, nicht in einem anderen Land ein weiteres Mal besteuert werden. Die für Luxemburg geltenden Doppelbesteuerungsabkommen finden Sie auf der Website der Steuerbehörde. Wenn Sie der Doppelbesteuerung unterliegen, sollten Sie sich unbedingt an einen Steuerberater wenden, um Ihre Steuerlast zu optimieren.  

Drei unterschiedliche Steuerklassen

Die Einkommensteuersätze in Luxemburg sind progressiv. Sie liegen zwischen 0 % und 42 %. Es gibt fünf Kategorien für zu versteuernde Einkünfte in Luxemburg: Einkünfte aus wirtschaftlicher Tätigkeit, Einkünfte aus abhängiger Beschäftigung, z. B. Gehälter und betriebliche Leistungen, Renten und Pensionszahlungen, Kapitalerträge und sonstige Einkünfte, z. B. Zahlungen für Arbeiten oder Dienstleistungen über 250 € und besteuerbare Gewinne. Die Einkommensteuer in Luxemburg wird anhand der jeweiligen Steuerklasse ermittelt. Diese hängt von der persönlichen Situation des Steuerpflichtigen ab. Es gibt drei Steuerklassen: Klasse 2, Klasse 1a und Klasse 1. Klasse 2 gilt für verheiratete Steuerpflichtige, für Verwitwete, deren Partner in den letzten drei Jahren von dem aktuellen Steuerjahr verstorben sind, und für getrennt Lebende oder Geschiedene in den drei Jahren nach der Trennung bzw. Scheidung. Lebenspartner werden nach Ende des Steuerjahres auf Antrag gemeinsam gemäß der Steuersätze der Klasse 2 besteuert, wenn sie eine Steuererklärung abgeben, sofern sie während des gesamten Steuerjahres unter einer gemeinsamen Anschrift gelebt haben. Ab dem 1. Januar 2018 gelten neue Vorschriften. Verheiratete ansässige Steuerpflichtige haben die Möglichkeit, weiterhin auf Antrag eine gemeinsame Steuerklärung einzureichen oder sich separat besteuern zu lassen. Nicht ansässige verheiratete Steuerpflichtige können auf Wunsch als steuerlich in Luxemburg ansässige Personen behandelt werden und von Steuerklasse 2 profitieren, wenn mehr als 90 % der weltweiten Einkünfte eines Mitglieds des Haushalts in Luxemburg versteuert werden.

Klasse 1a gilt für Verwitwete, die nicht in Klasse 2 fallen, Personen, die am 1. Januar mindestens 65 Jahre alt waren, und Alleinerziehende, deren Kinder in ihrem Haushalt leben. Alle Personen, die nicht in die Klassen 1a oder 2 fallen, fallen in Klasse 1. Ansässige und nichtansässige Steuerpflichtige haben Anspruch auf einen Kinderfreibetrag, sofern ihre Kinder am 1. Januar des Steuerjahres unter 18 Jahre alt waren und in ihrem Haushalt leben. 

Steuerregelung für hochqualifizierte Fachkräfte

Wenn Sie als hochqualifizierte Fachkraft in Luxemburg leben und von Ihrem Arbeitgeber im Ausland angeworben wurden, haben Sie Anspruch darauf, steuerlich als ausländischer Mitarbeiter (Impatriate) behandelt zu werden. Dazu müssen einige Bedingungen erfüllt sein. So müssen Sie zum Beispiel in Luxemburg ansässig sein, aufgrund von Fähigkeiten eingestellt worden sein, mit denen Sie keinen ortsansässigen Mitarbeiter ersetzt haben, und mindestens 50.000 € jährlich verdienen. Der Hauptvorteil dieser Steuerregelung besteht darin, dass Sie bestimmte Aufwendungen, z. B. den Umzug nach Luxemburg, Schulgebühren, Miete und Nebenkosten und sogar Besuche im Heimatland (eine Reise pro Jahr und Familienmitglied), steuerlich geltend machen können. Falls Sie der Ansicht sind, dass Sie Anspruch auf Behandlung nach der Impatriate-Steuerregelung haben, wenden Sie sich wegen der Beantragung an Ihren Arbeitgeber.

Lohnsteuerkarte und Steuererklärung

Kurz nach Ihrer Ankunft erhalten Sie eine Lohnsteuerkarte (fiche de retenue d’impôt) von der Steuerbehörde (Administration des Contributions directes). Auf dieser Karte sind Ihre persönlichen Daten und Ihre Steuerfreibeträge, z. B. Kinderfreibeträge, eingetragen. Hier ist auch Ihre Steuerklasse angegeben. Diese Informationen dienen dazu, den monatlichen Steuerbetrag zu ermitteln. Sie müssen sie an Ihren Arbeitgeber weitergeben. Falls sich Veränderungen Ihrer persönlichen Situation ergeben, die sich auf Ihre Steuerlast auswirken können, müssen Sie das Finanzamt benachrichtigen.

Eine Steuererklärung (déclaration pour l’impôt sur le revenu) kann sehr kompliziert sein. Zögern Sie nicht, einen Steuerberater hinzuzuziehen. Das kostet zwar Geld, macht Ihnen das Verfahren aber erheblich leichter. 

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