Wo finden neu eingereiste Schüler Hilfe?

Einwanderung war für die wirtschaftliche Entwicklung des Großherzogtums schon immer von entscheidender Bedeutung und an diesem Trend wird sich auch nichts ändern. 1961 hatte Luxemburg 314.900 Einwohner, 13.2 % davon Ausländer. Am 1. Januar 2018 war die Einwohnerzahl des Landes auf 602.005 gestiegen, darunter waren 47,9 % Ausländer! Einige von ihnen besuchen die internationalen Schulen im Großherzogtum, andere entscheiden sich für das Luxemburger Schulsystem[1]. Diese Entscheidung ist für die Luxemburger Behörden entscheidend, da sie die Integration der Neuankömmlinge in die Gesellschaft fördert und das soziale Gleichgewicht im Land erhält.

Interkulturelle Mediatoren

Deswegen wurden verschiedene Strukturen geschaffen, um Schüler, die neu in Luxemburg sind, willkommen zu heißen und zu unterstützen. Zunächst einmal ist da die Abteilung für die Einschulung von ausländischen Kindern (Service de la scolarisation des enfants étrangers, SECAM). Diese Dienststelle untersteht dem Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend und soll Neuankömmlinge in Luxemburg über das Luxemburger Schulsystem, Unterstützungssysteme und die Anmeldung an Schulen informieren und bei Bedarf als interkultureller Mediator fungieren.

Eltern, Lehrer und Schulen können sich kostenlos an interkulturelle Mediatoren wenden, die zusätzlich zu den Amtssprachen des Großherzogtums auch noch eine ausländische Sprache beherrschen[1]. Die Mediatoren erleichtern die Kommunikation und das gegenseitige Verständnis von Familien, Schülern und Lehrern. Sie unterstützen Eltern und Lehrer bei der Einschulung der Schüler, übersetzen Informationen über die bisherige Schullaufbahn der Kinder im Heimatland, helfen gelegentlich oder regelmäßig im Unterricht usw. Wenn Sie die Hilfe eines interkulturellen Mediators in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie dies per Online-Formular (nur auf Französisch) beantragen. 

Einschulung von Schülern ab 12 Jahren

Die Empfangsstelle des Bildungsministeriums für neu zugezogene Schüler (Cellule d’accueil scolaire pour élèves nouveaux arrivants, CASNA) bietet Unterstützung für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, die ihre Ausbildung an einer weiterführenden Schule fortsetzen möchten. Sie kümmert sich um die Einstufung in eine Klasse, die zu ihrem Profil passt.

Schüler, die die Luxemburger Unterrichtssprachen (Deutsch, Französisch und, je nach Jahrgangsstufe, Englisch) fließend beherrschen, werden regulären Klassen zugewiesen. 

Für Schüler zwischen 12 und 15 Jahren, die nicht fließend Französisch und Deutsch sprechen, gibt es spezielle Aufnahmeklassen oder Integrationsklassen. Aufnahmeklassen sind Übergangsklassen für nicht-französischsprachige Schüler. Die Schüler erhalten Französischunterricht für Anfänger sowie Unterricht in Mathematik und Luxemburgisch mit der Perspektive, in eine untere oder mittlere Klasse der technischen Sekundarstufe (Klassen mit spezieller sprachlicher Ausrichtung) oder in vorbereitende Klassen zu wechseln. Französischsprachige Integrationsklassen richten sich an Schüler, die kein Französisch sprechen, aber in ihrem Heimatland gute schulische Leistungen erbracht haben. Unterrichtssprache in diesen Klassen ist Französisch. Sie lernen intensiv Französisch, aber kein Deutsch, und können ihre Ausbildung in Klassen mit spezieller sprachlicher Ausrichtung oder in vorbereitenden Klassen fortsetzen, die zum internationalen Abitur (International Baccalaureate) führen. Deutschsprachige Integrationsklassen richten sich an Schüler, die gut Französisch sprechen und in ihrem Heimatland gute schulische Leistungen erbracht haben. Sie lernen intensiv Deutsch, alle anderen Fächer werden jedoch auf Französisch unterrichtet. Je nach dem am Jahresende erreichten Niveau können sie ihre Ausbildung an einer Schule mit regulärer oder technischer Sekundarstufe fortsetzen.

Schüler zwischen 16 und 17 Jahren, die nicht fließend Französisch und Deutsch können, haben drei Möglichkeiten. Integrationsklassen für junge Erwachsene (Classes d’insertion pour jeunes adultes, CLA) vermitteln Grundkenntnisse in Französisch und bereiten auf die technische Sekundarstufe und wirtschaftliche Unabhängigkeit vor. In Klassen mit spezieller sprachlicher Ausrichtung in der mittleren und oberen Sekundarstufe (RLS) entsprechen die Lehrpläne denen des standardmäßigen technischen und beruflichen Bildungssystems, aber die Unterrichtssprache ist Französisch anstelle von Deutsch. Berufsvorbereitende Integrationsklassen (Classes d’insertion pré-professionnelle, CLIPP) sind Übergangsklassen für Schüler, die über gewisse Französischkenntnisse verfügen. Je nach den Fähigkeiten und Zielen der Schüler bereitet der Unterricht auf das Schulsystem oder die Arbeitswelt vor.     . 

  • Weitere Informationen erhalten Sie von der CASNA unter folgender Rufnummer: (+352) 247-85277. Dort erhalten Sie Informationen auf Englisch. Besuchen Sie auch unsere Website. Hier finden Sie unsere maßgeschneiderten Lösungen für Neuankömmlinge. 

[1] Lesen Sie auch unseren früheren Artikel „Bei welcher Schule sollten Sie Ihre Kinder anmelden?“

[2] Verfügbare Sprachen mit Stand von September 2016: Albanisch, Arabisch, Bulgarisch, Chinesisch, Kreolisch (Kapverden), Kreolisch (Guinea-Bissau), Tschechisch, Niederländisch, Philippinisch, Griechisch, Ungarisch, Italienisch, Koreanisch, Nepalesisch, Persisch (Farsi), Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbokroatisch, Slowakisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch, Vietnamesisch und Wolof.

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