Sind die Banken für schwere Zeiten gewappnet?

Nach der jüngsten Finanzkrise fragen sich viele, wie stabil der Bankensektor ist. Letzte Woche wurden die Ergebnisse des jüngsten Stresstests in Europa bekannt gegeben. Alle paar Jahre führt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) Stresstests durch, um „die Widerstandsfähigkeit der Finanzinstitute bei ungünstigen Marktentwicklungen zu beurteilen“. Es geht darum, beurteilen und vergleichen zu können, inwiefern nicht nur die einzelnen Banken, sondern das Bankensystem als Ganzes in der Lage ist, künftige „Schocks“ zu verkraften. Hierzu wird wie folgt vorgegangen.

Wie sehen diese Tests aus?

Bei den Stresstests wird die Fähigkeit einer Bank geprüft, in unterschiedlichen makroökonomischen Situationen zu bestehen. Die EBA schaut auf das Verhalten der Bank und darauf, wie viel Kapital sie benötigt, um auch in einem Stress-Szenario normal zu funktionieren – daher der Name „Stresstest“.

Bei den Tests wurden die Zahlen der Banken vom Jahresende 2015 zugrunde gelegt. Es werden zwei Szenarien – ein Basisszenario und ein adverses Szenario – betrachtet. Diese erstrecken sich über den Zeitraum von 2015 bis 2018. In diesem Jahr werden die Banken in dem vom Europäischen Ausschuss für Systemrisiken in Frankfurt entwickelten adversen Szenario einer Rezession in der EU im Jahr 2016 und 2017 ausgesetzt. Die Ergebnisse der Tests geben Aufschluss über die Fähigkeiten der Banken, Verluste zu absorbieren und weiter Gewinne zu erwirtschaften. Sie sind also ein Indikator für die Rentabilität bzw. Lebensfähigkeit der getesteten Banken in einem Krisenszenario.

Sobald den Banken die Szenarien übermittelt wurden, müssen sie deren Auswirkungen auf ihre Erträge, Kredit- und Marktrisikopositionen sowie ihr operationelles Risiko in dem Dreijahreszeitraum beurteilen, sodass sie ihre Solvabilität in diesen Szenarien einschätzen können. Letztlich geht es um die Frage, ob sie diese Szenarien überleben würden. Selbstverständlich erfolgt dies nach strikten Regeln und unter der Aufsicht der Behörden.

Welche Banken werden geprüft?

Im Stresstest 2016 untersuchte die EBA 51 Banken in Europa und damit deutlich weniger als 2014 (130 Banken in 18 Ländern). Als Grund führte die Aufsichtsbehörde an, sie habe „sich für die Konzentration auf eine homogenere Gruppe entschieden, um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten“. Die 51 ausgewählten Banken verfügen über ein Vermögen von mindestens 30 Milliarden Euro und halten rund 70% des Vermögens des Bankensektors in der Eurozone. Kleinere Banken wurden von den lokalen Aufsichtsbehörden überprüft.

Die Liste der getesteten Institute war zwar kürzer als in den Vorjahren, aber dennoch ziemlich umfassend. Egal ob Sie in Luxemburg wohnen oder Grenzgänger sind, Sie oder Ihre Familie sind wahrscheinlich Kunde mindestens einer der folgenden Banken: Belfius Banque S.A., BNP Paribas, Crédit Agricole Group, DekaBank Deutsche Girozentrale, Deutsche Bank AG, Commerzbank AG, KBC Group NV, ING Groep NV usw. Die vollständige Liste finden Sie in dem Bericht der EBA.

Können Banken durch den Test durchfallen?

Ja, das ist möglich. 2014 sind 24 der 130 überprüften Banken durchgefallen. Um den Test zu bestehen, musste eine harte Mindestkernkapitalquote (Kapital höchster Qualität) erreicht werden. Die finanziellen Puffer dieser 24 Banken reichten nicht aus, um diesen Wert zu erreichen. Bei der Prüfung im Jahr 2016 hat die EBA keine Kapitalhürden gesetzt, da sie für den Dreijahreszeitraum von 2015 bis 2018 nicht von einer Erhöhung der Kapitalanforderungen ausging. Dennoch meldete sie die Ergebnisse in Bezug auf die harte Kernkapitalquote, Kernkapitalquote und Gesamtkapitalquote; und das sind die Kennzahlen, über die alle sprechen. Die Ergebnisse werden von den Behörden im Rahmen des Supervisory Review and Evaluation Process genutzt.

Banken, die eine solide harte Kernkapitalquote erreicht haben, können also aufatmen und sich auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren beziehungsweise möglicherweise sogar auf Wachstum setzen. Banken mit schwachen Ergebnissen müssen einige Anstrengungen unternehmen, um ihre Kapitalniveaus zu verbessern und die in der EU geltenden Kapitalrichtlinien zu erfüllen, sodass sie für schwierige Zeiten gewappnet sind.