Sollte man sich vor virtuellem Geld hüten?

Werden die neuen im Netz genutzten digitalen Währungen schon bald die klassischen, wie den Euro, ersetzen? Das ist alles andere als sicher, insbesondere was die meistgenutzte unter ihnen angeht, den Bitcoin.

Eine Währung ohne Zentralbank

Der Bitcoin ist eine Kombination der englischen Begriffe bit (Binärziffer) und coin (Münze) und existiert seit 2009. Im Gegensatz zu anderen Währungen wird sie nicht von einer zentralen Behörde wie der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Euro hergestellt, sondern von Mitgliedern des Bitcoin-Netzwerks, die man Miner nennt.

Gegen Entgelt stellt ein Miner seine technischen Ressourcen zur Verfügung, um das ordnungsgemäße Funktionieren der Transaktionen zwischen Nutzern weltweit zu gewährleisten. Jedes Mal, wenn eine Person Bitcoins an eine andere schickt, wird die Transaktion vom Netzwerk überprüft, daraufhin in dem sogenannten Block Chain gespeichert. Ein Block ist eine mit Transaktionen konsolidierte Folge, die in einem gewissen Zeitraum stattgefunden hat. Man reiht sie aneinander, was eine Block Chain bildet. Bei der Erstellung eines Blocks überprüfen die Miner ihn und berechnen daraufhin einen sogenannten Hash (eine Folge von Zahlen und Buchstaben), die den Block identifiziert. Dieser wird dann an den Block gehangen, woraufhin er in die Block Chain integriert wird. Ein Miner wird nämlich für seine produzierten Hashs bezahlt (momentan 25 Bitcoins pro Hash, also etwa 9.900 EUR, diese Bezahlung wird ab Juli 2016 halbiert).

Wie erhält man Bitcoins?

Zunächst braucht man eine virtuelle Wallet (Geldbeutel), mit der man Bitcoins lagern und tauschen kann. Sie können sie auf Ihrem PC oder Smartphone über eine Online-Software erstellen.

Sobald Sie Ihre virtuelle Wallet haben, können Sie schon anfangen Bitcoins zu erhalten:

·         Entweder versuchen Sie, wie die Miner, eine neue Gleichung zu lösen (viel Glück dabei!);

·         Oder Sie kaufen oder tauschen Bitcoins online gegen Euro über eine Bitcoin-Umtauschseite im Internet;

·         Oder Sie tauschen Dienstleistungen oder Gegenstände gegen eine Zahlung in Bitcoins ein.

Welche Gefahren birgt dieses virtuelle Geld?

Auf den ersten Blick sind die Vorteile des Bitcoin offensichtlich: schnelle Transaktionen, quasi keine Gebühren, da es keinen Vermittler mehr gibt, und Anonymität. Aber wie sieht es mit den Gefahren aus?

Die erste und wichtigste ist die Sicherheit. Wenn Sie ein Bitcoin-Kundenkonto auf Ihrem PC installiert haben, dürfen Sie niemals Ihr Passwort vergessen oder es in einer Datei speichern, da es bei Bitcoin äußerst schwierig ist, es wiederherzustellen. Des Weiteren sollten Sie lieber regelmäßig eine Sicherheitskopie Ihrer Wallet an einem sicheren Ort machen. Wenn Sie diese Vorsichtsmaßnahme nicht nehmen, können Sie Ihre Bitcoins im Falle einer Panne Ihrer Festplatte oder dem Diebstahl Ihres PCs für immer verlieren. Die Nutzung der Onlinedienste ist nicht unbedingt eine gute Lösung, da sie bis jetzt keine ausreichenden Sicherheitsgarantien bieten, um Ihr Geld wie bei einer Bank zwischenzulagern.

Die sehr hohe Volatilität der Bitcoins kann Ihnen ebenfalls einen üblen Streich spielen. Vergessen Sie nicht, dass der Bitcoin am Dienstag, den 18. August 2015 16% seines Werts verlor. An einem einzigen Tag!

Hinzu kommt die Undurchsichtigkeit der Verwaltung der Bitcoins. Im April 2014 ging MtGox, die bekannteste und weltweit meistgenutzte Bitcoin-Tauschplattform Pleite. Sechzehn Monate später, im August 2015, wurde ihr ehemaliger CEO, der Franzose Mark Karpelès in Japan wegen Unterschlagung festgenommen.

Sollte man sich also in das Bitcoin-Abenteuer wagen? Ja, wenn man nur immer im Hinterkopf behält, dass es sich um eine spekulative Währung handelt, und man nur wenig Kapital investieren sollte. In etwa wie bei Sportwetten.

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