Das Auf und Ab der Zinssätze

Vor einigen Wochen meldete Bloomberg: "Draghi verkündet historische Maßnahmen gegen Deflationsrisiken“. Wenig später meldeten die Schlagzeilen aller angesehenen Nachrichtendienste, dass die Zinssätze gesenkt würden. Haben Sie sich gefragt, warum dies berichtenswert war, während Sie Ihren Sommerurlaub vorbereiteten ?

Die Nachrichten beziehen sich auf Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Er ist weder ein Hollywood-Star noch ein Fußballspieler, und dennoch macht er fast genauso viele Schlagzeilen.

Der Preis des Geldes

Personen und Unternehmen sind bereit, anderen für eine bestimmte Zeit ihr Geld zu leihen, und als Gegenleistung dafür lassen sie sich die Kosten erstatten, die dies mit sich bringt: Nicht in der Lage zu sein, das Geld während dieses Zeitraums zu nutzen und das Rückzahlungsausfallrisiko. Das einzige Szenario, in dem sich Menschen gegenseitig Geld leihen, ohne zu erwarten, dass sie am Ende mehr dafür bekommen, findet man unter guten Freunden. Und natürliche leihen Eltern ihren Kindern Geld. In diesen Situationen ist der Nutzen nicht finanzieller, sondern sozialer Art.

Der Unterschied zwischen der anfänglich geliehenen Summe und der zurückgezahlten Summe, ausgedrückt in einem jährlichen Prozentsatz, wird Zinssatz genannt. Wenn Sie sich also 1.000 Euro leihen und nach einem Jahr 1.030 Euro zurückzahlen müssen, beträgt der Zinssatz 3%.

Der Prozentsatz wird größer sein, je länger der Zeitraum ist und je weniger zuversichtlich wir sind, dass wir das Geld zurückbekommen.

Das Gleiche gilt für die Banken, wenn sie von einer anderen Bank oder von der EZB leihen.

Ein europäischer Zinssatz, der uns alle betrifft

Die EZB verleiht Geld an Banken zum offiziellen Zinssatz. Dies ist eine Möglichkeit für Banken, Geld zu bekommen, um ihr Geschäft zu finanzieren: Sie leihen von der EZB Geld, das sie dann an andere Banken, Unternehmen oder an Privatpersonen verleihen. Wenn Banken ihren Kunden Geld leihen, verlangen sie einen Zinssatz und eine Handelsspanne, die auf der gleichen Idee basieren, die wir zuvor erwähnt haben: Die Kosten dafür, das Geld nicht anderweitig verwenden zu können und das Rückzahlungsausfallrisiko. Der Durchschnitt all dieser Zinssätze ergibt den Euribor-Zinssatz, über den wir in einem anderen Artikel sprechen werden.

Wenn also die EZB ihren Zinssatz senkt, zu dem sie Geld an Banken verleiht, senkt sie damit auch den Euribor-Zinssatz, der sich direkt oder indirekt auf die Kreditpreise für uns alle auswirkt.

Und welche Folgen hat das ? Wenn das Geldleihen günstiger wird, werden Unternehmen und Privatpersonen Kredite aufnehmen, um Investitionen zu tätigen (von großen Werken bis zum neuen Motorrad). Dadurch werden die Preise in die Höhe getrieben, d.h. die Inflation steigt an. Ein niedrigerer Zinssatz bedeutet also, dass Spareinlagen weniger einbringen, was wiederum bedeutet, dass Unternehmen und Privatpersonen ihr Geld lieber beispielsweise in Aktien investieren, als es auf der Bank schlummern zu lassen. All dies kurbelt die wirtschaftliche Aktivität an, und das ist eine gute Sache in Krisenzeiten !

Wenn Draghi das nächste Mal spricht, sollten Sie also gut aufpassen: Es könnte ihnen helfen zu entscheiden, ob Sie sich einen Luxusurlaub leisten oder lieber Verwandte besuchen.

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