Warum sind die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank nicht dieselben wie die meiner Bank?

Sie haben sich diese Frage womöglich schon einmal gestellt, als Sie bei Ihrer Bank ein Darlehen beantragt haben. Der Ihnen angebotene Zinssatz wich sehr wahrscheinlich sehr stark von dem ab, zu dem sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld leihen kann.  Wie ist dieser Unterschied zu erklären? Welche Verbindung besteht zwischen den Leitzinsen der EZB und dem Zinssatz meiner Bank? 

Die drei verschiedenen Leitzinssätze der EZB

Lassen Sie uns ganz von vorne beginnen. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Hauptrefinanzierungssatz. Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels liegt er bei 0,05%, seinem niedrigsten Niveau aller Zeiten. Dieser Zinssatz von 0,05% entspricht was genau?

Um ihr Hauptziel der Preisstabilität (Inflation unter, jedoch nahe 2%) einzuhalten, verfügt die EZB über verschiedene geldpolitische Instrumente, um die Leitzinsen zu und die Liquidität der Banken zu verwalten. Die traditionellsten Maßnahmen sind die sogenannten „Hauptrefinanzierungsinstrumente". Die Hauptrefinanzierungsinstrumente sind besser bekannt als Main Refinancing Operations (MRO). Wenn eine Bank mehr Liquidität braucht, kann sie diese direkt bei der EZB leihen. Jede Woche gehen die Banken der Eurozone also zum (virtuellen) Schalter der EZB, um zum von der EZB festgelegten Hauptrefinanzierungssatz (also 0,05%) einen gewissen Betrag an Geld zu leihen. Dieses „Darlehen“ wird in Form einer „Rückkaufvereinbarung“ (Repurchase Operation oder Repo) durchgeführt. Die Bank übergibt der EZB an einem gewissen Datum Vermögenswerte als Garantie und erhält einen gewissen Geldbetrag. Eine Woche später muss die Bank das von der EZB geliehene Geld zuzüglich der Zinsen zurückzahlen und bekommt seine als Garantie geltende Vermögenswerte zurück.

Die zwei anderen Leitzinsen der EZB sind die Einlagefazilität (momentan -0,2%) und der Spitzenrefinanzierungssatz (momentan 0,30%). Der erstgenannte ist der Zinssatz, den die EZB den Banken zahlt, die Geld bei Ihr einlegen. Der zweite ist der Zinssatz, den die Banken der EZB zahlen, wenn Sie über einen Tag, neben den klassischen Refinanzierungsinstrumenten, Geld leihen möchten.

Die Interbankenzinsen (Eonia und Euribor)

Wie ihr Name es schon sagt, werden diese Leitzinsen hauptsächlich in geldpolitischer Hinsicht von der EZB benutzt, um die Vergabe von Krediten zu beeinflussen und die Inflation in der Eurozone anzupassen. Die Hauptaufgabe der EZB ist nicht die Leihe von Geld und die Banken wenden sich nur an sie, wenn auf dem Interbankenmarkt kein Geld zur Verfügung steht. Meistens finanzieren die Banken Ihre Bedürfnisse bei anderen Banken auf dem Interbankenmarkt mithilfe von zwei Referenzzinsen: dem Eonia (Euro Overnight Index Average) und den Euribor (Euro Interbank Offer Rate). Der erstgenannte ist der Interbankentageszins und die zweiten werden für längere Laufzeiten berechnet (von 1 Woche bis zu 12 Monaten). Die Entwicklung dieser beiden Zinstypen hängt sehr stark von jener der Leitzinsen der EZB ab. Warum?

Nehmen wir den Eonia als Bespiel, das ist am einfachsten. Er entwickelt sich in einer Spanne zwischen der Einlagefazilität der EZB und dem Spitzenrefinanzierungssatz der EZB. Das ist auch völlig logisch! Der Eonia kann nicht unter der von der EZB angebotenen Einlagefazilität liegen, da die Banken mit einem Liquiditätsüberschuss ansonsten eher ihr Geld bei der EZB einlegen würden, anstatt es den anderen Banken zu leihen. Das gleiche gilt, wenn der Eonia über dem Spitzenrefinanzierungssatz der EZB liegt: Eine Bank, die Liquidität benötigt, würde eher bei der EZB Geld leihen als bei einer anderen Bank.

Der Zinssatz Ihrer Bank

Die Interbankenzinsen werden wiederum eine wichtige Rolle bei der Berechnung der Zinsen spielen, die Ihre Bank für ein Darlehen anbieten wird. Der Unterschied zwischen dem Zinssatz eines Darlehens und dem Interbankensatz mit derselben Laufzeit hängt von zahlreichen endogenen Daten ab, wie Ihr Risikoprofil, die Laufzeit Ihres Darlehens und die von Ihnen gegebenen Garantien.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Leitzinsen der EZB den Zinssatz Ihres Darlehens bei der Bank beeinflussen, es spielen jedoch auch eine ganze Reihe andere Faktoren eine Rolle, die größtenteils von Ihrer persönlichen Situation abhängen. Ein guter Rat: Bevor Sie einen Kredit beantragen, sprechen Sie mit Ihrem üblichen Bankberater darüber. Er kennt sowohl Ihre berufliche als auch persönliche Situation am besten und kann Ihnen bei Ihrer Entscheidungsfindung helfen.

Artikel, die Sie interessieren könnten

Wir verwenden Cookies, um Ihre Nutzererfahrung zu bereichern. Diese Basis-Cookies sind für das einwandfreie Funktionieren der Webseite unerlässlich. Sie speichern z.B. Ihre Sprachpräferenzen. Sie ermöglichen zudem eine anonyme Analyse der Nutzung der Webseite. Weitere Informationen in unseren Cookie-Richtlinien.  

Ablehnen Zustimmen