Kapitalmaßnahmen und Ihre Investitionen

Eigentümer eines Unternehmens zu sein, egal ob es sich um eine kleine oder große Beteiligung handelt, bringt auch eine gewisse Verantwortung mit sich. Das tägliche Management obliegt der Geschäftsführung und die Aufsicht hat ein Verwaltungsrat inne, gelegentlich wollen Investoren jedoch aktiv mit Entscheidungen an den Kapitalmaßnahmen teilnehmen.

Eine Kapitalmaßnahme ist als Ereignis definiert, das eine wesentliche Änderung an einem Unternehmen mit sich bringt. Es gibt zwei Haupttypen – obligatorisch und freiwillig. Eine obligatorische Maßnahme erfordert keine Aktion von den Aktionären, jedoch sind sie direkt davon betroffen. Hierzu gehören beispielsweise Aktiensplits oder Konsolidierungen. Bei einer freiwilligen Maßnahme werden die Aktionäre um Teilnahme gebeten. Ohne Reaktion der Aktionäre kann das Unternehmen nicht fortfahren.

Während einige dieser Fälle von verwaltungstechnischer Natur sind und nur wenig detaillierte Überlegungen von Seiten der Aktionäre erfordern, können andere wie Fusionen oder Übernahmen einen erheblichen Einfluss auf die Zukunft des Unternehmens haben – und auf den Wert der Investorenanteile.

Während Kapitalmaßnahmen hauptsächlich mit Beteiligungen verbunden werden, können sie jedoch auch Anleihegläubiger betreffen. Zum Beispiel kann ein Unternehmen Anleihen vor dem Endfälligkeitstermin kündigen. Wenn die Zinssätze gesunken sind, versuchen Unternehmen zum Beispiel Geld einzusparen, indem sie bestehende Anleihegläubiger auszahlen und neue Schulden zu einem niedrigeren Satz aufzunehmen.

Entscheidungsfindung

Einige Entscheidungen sind relativ einfach. Wenn zum Beispiel ein Unternehmen beschließt, eine Dividende auszuzahlen, können die Aktionäre wählen, ob sie diese bar oder in Form von zusätzlichen Aktien (auch Bardividende genannt) ausbezahlt bekommen möchten.

Wer sich für den Erhalt der Dividenden in Form von Aktien entscheidet, profitiert vom Zinseszinseffekt – künftige Dividenden werden gemäß den neuen, erhöhten Beteiligungsquoten ausbezahlt. Wenn diese reinvestiert werden, um noch mehr Aktien zu kaufen, kann sich dies für die Investoren zu einem positiven Kreislauf entwickeln, vorausgesetzt, dass das Unternehmen weiterhin wächst. Allerdings ist diese Option nicht für Investoren geeignet, die von Dividenden zur Erzielung von Einkommen abhängen.

Ein Aktiensplit – eine weitere weit verbreitete Kapitalmaßnahme – tritt in der Regel dann auf, wenn der Unternehmensaktienkurs stark gestiegen ist und die Unternehmensleitung glaubt, dass der hohe Preis der Aktie Investoren abschrecken könnte. Beispiel: Die in den USA ansässige Video-Streaming-Gruppe Netflix führte vor kurzem einen 7-für-1-Aktiensplit durch.

Bei einem Aktiensplit erhalten die Aktionäre mehr Aktien, der Wert ihrer Beteiligung bleibt jedoch gleich, weil der Preis pro Aktie niedriger ist. In der Theorie fällt der Aktienpreis im Verhältnis dessen, wie sich die Anzahl der ausstehenden Aktien um ein bestimmtes Vielfaches erhöht. Umgekehrt können Unternehmen, deren Aktien stark im Preis gefallen sind, beschließen, die Zahl der ausstehenden Aktien durch den umgekehrten Prozess zu verringern. Diese Maßnahme kann durch Börsenordnungen notwendig werden, wenn die Aktien über einem Mindestpreis bleiben müssen und andernfalls ihr Delisting droht.

Wenn ein Unternehmen Geld beschaffen möchte, zum Beispiel zur Finanzierung einer Übernahme oder zur Bezahlung von Schulde, kann es im Rahmen einer Bezugsrechtemission bestehenden Aktionären zusätzliche Aktien zu einem speziellen, also ermäßigten Preis anbieten. Die Bezugsrechtemission kann eine gute Gelegenheit für Aktionäre darstellen, ihre Investitionen unterhalb des aktuellen Marktpreises zu erhöhen, manchmal sogar deutlich.

Fusionen und Übernahmen

Fusionen und Übernahmen werden immer häufiger, da Unternehmen versuchen, schneller zu wachsen, als dies durch „organisches“ Wachstum möglich ist, oder als Teil einer größeren Organisation bessere Perspektiven entwickeln möchten. Unternehmen können mit jedem anderen Unternehmen fusionieren, andere Firmen übernehmen oder von anderen Unternehmen übernommen werden.

Wenn ein Geschäft zustande kommt, werden die Investoren des übernommenen Unternehmens aufgefordert zu entscheiden, ob sie ihre Aktien an den Bieter zum vereinbarten Preis verkaufen wollen.

In vielen Fällen bringen Fusionen und Übernahmen wesentliche Änderungen in der Geschäftsführung mit sich, die beeinflussen können, ob Anleger ihre Aktien behalten möchten oder nicht.

Oft werden im Rahmen von Fusionen bestehenden Aktionären Anteile an dem neuen Unternehmen oder eine Mischung aus Aktien und Bargeld angeboten. Als Vodafone seine Beteiligung am US-Telekommunikationskonzern Verizon verkaufte, wurde den Aktionären beispielsweise Bargeld und/oder Anteile an Verizon als Teil des Geschäfts angeboten. Die Wahl hing weitgehend von der Meinung der Aktionäre über Verizon und seine Perspektiven für die Zukunft ab.

Nicht immer haben die Aktionäre die Möglichkeit, ihre Anteile an dem daraus entstehenden Unternehmen zu halten, zum Beispiel, wenn der Bieter plant, das Unternehmen von der Börse zu nehmen, wie dies meist bei M&A von Private-Equity-Firmen der Fall ist.

Kapitalmaßnahmen haben einen entscheidenden Einfluss auf den Wert der Investitionen. Es ist wichtig, dass die Aktionäre, und manchmal auch die Anleihegläubiger, ihre Möglichkeiten und Rechte verstehen, damit sie Entscheidungen in ihrem besten Interesse treffen können.

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