Crowdfunding – eine neue Form der Finanzierung?

Ein Rezept für Kartoffelsalat, das 55.000 US-Dollar einbrachte, ein Kartenspiel, in dem Kätzchen explodieren (Exploding Kittens) und mit dem über 8,7 Millionen US-Dollar erzielt wurden: Das sogenannte Crowdfunding (gelegentlich auch als Schwarmfinanzierung bezeichnet) besteht darin, sich für Projektfinanzierungen über spezielle Onlineplattformen direkt an Internetnutzer zu wenden – und plötzlich scheint nichts mehr unmöglich. Sogar für die Finanzierung von Hochschulstudien, Gerichtsprozessen, Schönheitsoperationen und Urlaubsreisen hat es bereits Crowdfundingkampagnen gegeben!

Ist das Crowdfunding also wirklich DIE neue Methode, auf einfache Weise an finanzielle Mittel zu kommen? Nicht wirklich. Die oben angesprochenen Erfolge sind Ausnahmen und funktionieren in der Regel nur ein einziges Mal. Zunächst einmal muss zwischen den verschiedenen Formen des Crowdfundings unterschieden werden: In Wahrheit gibt es nämlich vier verschiedene Crowdfundingarten mit unterschiedlichem Wachstum und unterschiedlichem Geschäftsvolumen:

Donation-Based Crowdfunding

Die moderne Form des Mäzenatentums und der Wohltätigkeit. Der Finanzierende spendet ohne Anspruch auf eine Gegenleistung. Appelliert wird dabei an das Mitgefühl des Internetnutzers, der sich mit seiner Spende für humanitäre Zwecke oder Kunstprojekte engagieren kann. In manchen Fällen ist die Spende steuerlich abzugsfähig.

Reward-Based Crowdfunding

Der Internetnutzer unterstützt ein Projekt und erhält im Gegenzug eine nicht monetäre Gegenleistung, die sich nach dem investierten Betrag richtet. Bei dieser Gegenleistung kann es sich um eine Dankes-E-Mail oder ein T-Shirt handeln. Auch individuellere und etwas gehobenere Gegenleistungen sind möglich. Denkbar wären unter anderem die Einladung zur Eröffnungsfeier oder Launch-Party, die Erwähnung des Spendernamens im Abspann des Films, eine CD in limitierter Auflage, ein Exemplar des Buchs mit einer Widmung des Autors oder die Möglichkeit, das eigentliche Produkt zu einem geringeren Preis als dem zukünftigen Verkaufspreis zu erwerben.

Equity-Based Crowdfunding 

Der Spender wird gemäß dem von ihm angelegten Betrag Aktionär und darf auf Dividenden und potenziellen langfristigen Mehrwert hoffen. Diese Form des Crowdfundings wird häufig von kleinen oder mittelständischen innovativen Unternehmen (Start-ups) gewählt, um schnell an finanzielle Mittel zu gelangen.

Lending-Based Crowdfunding

Bei dieser Form des Crowdfundings gibt der Internetnutzer einer Privatperson oder einem Unternehmen einen Kredit mit Festzins, der abhängig vom Risiko kalkuliert wird. Als Gegenleistung wird monatlich ein Teil der Anlage verzinst und getilgt. 

Es gibt keine Erfolgsgarantie

Aufgrund ihrer guten Zugänglichkeit bleiben die beiden erstgenannten Crowdfundingformen die beliebtesten, auch wenn sie vom Finanzierungsvolumen her nicht die umfangreichsten sind. Es gibt so gut wie keine Auswahlkriterien; fast jeder kann also seine eigene partizipative Finanzierungskampagne starten.

Die gute Zugänglichkeit alleine ist jedoch noch lange keine automatische Erfolgsgarantie. Die Vorbereitung einer Crowdfundingkampagne setzt gute Planung und den Einsatz von Zeit und Know-how voraus. Das Projekt muss glaubhaft und überzeugend präsentiert werden und (bei Crowdfundingkampagnen ohne finanzielle Gegenleistungen) originelle Kompensationen bieten. Ferner müssen die Presse, das persönliche Umfeld, die Fans der ersten Stunde und Online-Beeinflusser mobilisiert werden. Auch ist kein vollständiger Verzicht auf den Einsatz von Eigenmitteln möglich – und sei es nur, um das Präsentationsvideo für das Projekt zu erstellen. Hier gilt, dass eine professionell übermittelte Botschaft immer durchschlagender und wirksamer sein wird als ein selbst zusammengebasteltes Video. 

Kurz: Crowdfunding bedeutet viel Arbeit und eine kleine finanzielle Investition für einen nicht garantierten Erfolg. Alle Crowdfundingprojekte sind verschieden, und manche sind erfolgreicher als andere. Beispielsweise werden neue Technologien wohl immer bessere Aussichten auf eine goldene Zukunft haben als die Rettung eines Symphonieorchesters. Auch die Reichweite des Projekts ist von entscheidender Bedeutung: Zielt es lediglich auf Luxemburg oder die Großregion ab (Saarland, Lothringen, Luxemburg, Wallonien und Rheinland-Pfalz), dürften innerhalb der bei Donation-Based- oder Reward-Based-Projekten üblichen Laufzeit von zwei Monaten wohl kaum hunderttausende Euro erzielbar sein. Um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu steigern, empfiehlt es sich also, realistisch und vor allem motiviert zu bleiben. Denn unabhängig von der gewählten Finanzierungsform ist es die Motivation, die zum Erfolg führt, und nicht die Aussicht auf den Gewinn. 

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