Wie ist Luxemburg zu einer internationalen Börse aufgestiegen?

Es ist in allen Informationsbroschüren über Luxemburg zu lesen: Neben der Lebensqualität und der Multikulturalität ist das Land als renommierte Börse bekannt. Denn sie hält 8,5% der Marktanteile sowie ein Nettovermögen von knapp 3,9 Milliarden Euro, was sie zum zweitgrößten Zentrum für Investmentfonds nach den USA (48,4%) macht. In Europa liegt sie sogar auf Platz 1 vor Irland (5,1%), Deutschland (4,7%) und Frankreich (4,6%)[1]. Aber wie hat Luxemburg dies in lediglich weniger als 30 Jahren geschafft?

[1] Datenstand der Zahlen ist Ende 2015.

Der direkte Erfolg der Investmentfonds

Alles begann 1988, als die luxemburgische Regierung die erste europäische UCITS-Richtlinie (Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities) bezüglich der Schaffung eines einzigen europäischen Markts für Investmentfonds in ein Gesetz umsetzt. Sehr schnell hat die Administration und Verwaltung der Investmentfonds in Luxemburg bei zunächst hunderten, dann tausenden Investmentgesellschaften aus aller Welt Erfolg. Die in Luxemburg domizilierten Fonds steigen zu einem der Eckpfeiler des Finanzsektors auf, werden weltweit exportiert und an allen Märkten anerkannt, darunter auch in Asien, Lateinamerika und im Mittleren Osten.

Dies hat verschiedene Gründe: ein stabiles politisches und soziales Umfeld, eine robuste Wirtschaft, eine strategische Position mitten in Europa und internationale und mehrsprachige Fachleute. Die Börse zeigte ebenfalls einen großen Willen des Anlegerschutzes, den sie ihrer Aufsichtsbehörde, der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) übertrug.  Schließlich hat Luxemburg Gesetze und Vorschriften eingeführt, die immer an die Marktentwicklungen angepasst wurden, da die Regierung, der Gesetzgeber und der private Sektor sich hierum durchgehend kümmerten.  

Ein immer härterer Konkurrenzkampf

Ende Dezember 2010 war es dann Luxemburg, das als erstes Land der europäischen Union die europäische Richtlinie UCITS IV umsetzte. Um das Angebot an alternativen Investmentfonds zu vervollständigen, hat die luxemburgische Regierung 2004 die Investmentgesellschaft mit Risikokapital (Société d’Investissement en Capital à Risque - SICAR), 2007 den spezialisierten Investmentfonds (Fonds d’Investissement Spécialisé - FIS) und im Juli 2016 den alternativen vorbehaltenen Investmentfonds (Fonds d’Investissement Alternatif Réservé - FIAR), den ersten alternativen Investmentfonds, der nicht der Aufsicht der CSSF unterliegt, geschaffen.

Der Konkurrenzkampf mit den anderen Börsen ist jedoch weiter hart. Luxemburg ist zwar weiterhin bei Fonds, die der europäischen UCITS-Richtlinie unterliegen (UCITS-Fonds), unangefochtener Marktleader und das Land zeichnet sich durch einen hohen Anlegerschutz aus, es verliert jedoch trotzdem bei den vielversprechenden alternativen Investmentfonds an Boden. Laut den im September 2016 von Efama, der Vereinigung, die in Europa die Industrie der Investmentfonds vertritt, veröffentlichten Daten hat das Land seinen Podestplatz verloren und befindet sich nunmehr auf dem vierten Platz vor den Nachbarn Deutschland, Niederlande und Frankreich.

Und dann stehen noch weitere Herausforderungen an, wie die technische Entwicklung und die Änderung des Anlegerverhaltens, die immer anspruchsvoller sind und mehr auf Ethik und soziale Verantwortung bei ihren Anlagen achten. 

Die Herausforderungen sind von wesentlicher Bedeutung und die luxemburgische Industrie der Investmentfonds wird sich in den kommenden Jahren neu erfinden müssen, wenn sie nicht ihre Führungsposition verlieren möchte. Denn diese Führungsposition ist nicht nur für die Industrie sondern auch für das allgemeine Wohlergehen der Börse von Bedeutung... 

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