Ist das Leben in Luxemburg wirklich so teuer?

Die Lebenshaltungskosten in Luxemburg mögen zwar hoch sein, aber sind sie wirklich so viel höher als in den europäischen Nachbarländern, wie immer behauptet wird? Das kommt, wie immer, darauf an. Wenn man nur auf die Kosten für Unterkunft, Lebensmittel oder Kleidung schaut, gehört Luxemburg wirklich nicht gerade zu den günstigsten Ländern. Berücksichtigt man aber das gesamte tägliche Leben, zählt das Land keineswegs zu den teuersten in Europa.  

Der gemeinschaftliche internationale Index für Lebenshaltungskosten Expatistan basiert auf 2.398.000 Preisen, die von 267.500 Mitwirkenden eingegeben und fast täglich aktualisiert werden, und vergleicht die Lebenshaltungskosten in weltweit 255 Ländern und 2.269 Städten. Im weltweiten Preisindex von Expatistan liegt Luxemburg auf Platz 14 und damit deutlich hinter den führenden Ländern Bermuda, Island, der Schweiz und Norwegen. Im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn sind die Lebenshaltungskosten in Luxemburg um 19 % bzw. 17 % höher als in Belgien und Deutschland. In etwa das Gleiche gilt für Frankreich, Großbritannien und die Niederlande. 

Nicht in den Top 10 der teuersten Städte der Welt

Expatistan zeigt auch, dass die Stadt Luxemburg, wo die meisten Expats und Neuankömmlinge leben, verglichen mit anderen Städten der Welt gar nicht so teuer ist. Die Hauptstadt rangiert auf Platz 34 des weltweiten Preisindex – die höchsten Lebenshaltungskosten haben Hamilton (Bermuda), Reykjavik (Island), Genf (Schweiz) und San Francisco (USA) – und auf Platz 13 des europäischen Preisindex. Städte wie London, Oslo, Dublin, Paris, Kopenhagen und Amsterdam sind teurer als die Stadt Luxemburg (jeweils 29 %, 27 %, 15 %, 13 %, 11 % und 6 %). Auch wenn man andere Quellen berücksichtigt, etwa den Worldwide Cost of Living Report 2018 der Economist Intelligence Unit oder die Mercer 2017 Cost of Living Rankings, ist Luxemburg nicht unter den zehn teuersten Städten zu finden – weder weltweit noch in Europa[1].

 

Das bedeutet natürlich nicht, dass das Land vergleichsweise günstig ist. Es stimmt, dass die Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen – vor allem in der Stadt Luxemburg – relativ hoch sind und über dem europäischen Durchschnitt liegen. Expatistan zufolge müssen Sie in Luxemburg im Vergleich zu Städten wie Amsterdam, Paris, London, Brüssel und Berlin mehr für Körperpflege, Essen (Restaurantbesuche und Lebensmittel), Kleidung und Unterkunft bezahlen (mit Ausnahme von Paris und London, wo die Preise um 7 % bzw. 18 % höher sind).

Niedrigere Preise in einigen Bereichen

Ähnliches gilt auf der anderen Seite aber auch für die Einkommen. Der Mindestlohn in Höhe von 1.998,59 € im Monat (2017) und das durchschnittliche Gehalt von 46.731 € (2017) in Luxemburg sind europaweit am höchsten. Dementsprechend ist es auch nicht überraschend, dass das Großherzogtum mit der höchsten Kaufkraft pro Einwohner in der Europäischen Union aufwarten kann: 30.499 € im Vergleich zu 22.239 € in Deutschland, 19.537 € in Frankreich und 19.198 € in Belgien (Gfk Purchasing Power Europe 2017). Das Luxemburger Gesundheitssystem mag teurer sein als in den Nachbarländern, aber es gehört zu den besten in Europa und funktioniert auf der Grundlage von Erstattungen in Höhe von 80 bis 100 %! Außerdem gibt es auch einige Bereiche, in denen die Preise in Luxemburg niedriger sind als im Durchschnitt: alkoholische Getränke, Tabakwaren und Unterhaltungselektronik (Fernseher, Smartphones, DVD-Player, Kameras usw.). Mobilität, einschließlich Pkw, Kraftstoffe und öffentliche Verkehrsmittel sind in Luxemburg im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ebenfalls sehr günstig: Hier bezahlt man durchschnittlich 19 bis 33 % weniger als in Belgien, Frankreich und Deutschland.

Die Kosten für Kinderbetreuung mögen in Luxemburg zwar hoch sein, aber das gilt nicht für das Bildungssystem. Die meisten Schulen im Land sind staatlich und für alle Einwohner, die für die Sozialversicherung registriert sind, kostenlos. Wenn Sie sich natürlich für eine private oder internationale Schule entscheiden, müssen Sie das aus eigener Tasche bezahlen[1]. Wie das Euridyce-Netzwerk der Europäischen Kommission in seinem Jahresbericht für 2017 angibt, entsprechen die Studiengebühren an Luxemburger Universitäten dem EU-Durchschnitt – zwischen 400 € und 800 € pro Jahr für den ersten Zyklus und 400 € pro Jahr für den zweiten Zyklus. Außerdem zahlt das Ministerium für Hochschulwesen und Forschung allen Studierenden einen Basiszuschuss in Höhe von 2.000 € pro Jahr (2.450 € pro Jahr für Studierende, die eine Hochschule im Ausland besuchen) und etwa 62 % der im Land ansässigen Studierenden erhielten 2014/15 eine bedarfsorientierte Förderung (1.000 € bis 3.800 € pro Jahr). Studierende in England zahlen im Vergleich dazu deutlich höhere Gebühren (etwa 10.000 € pro Jahr für den ersten Zyklus) und seit September 2016 stehen keine Fördermittel für neu eingeschriebene Studierende mehr zur Verfügung.

Ist Luxemburg also wirklich so teuer? Nein, und zwar aus einem einzigen Grund: Die Menschen in Luxemburg sind der letzten Ausgabe des OECD Better Life Index zufolge zufriedener mit ihrem Leben als der Durchschnitt in den OECD-Ländern. Und das ist unbezahlbar ;-).

[1] Die drei teuersten Städte weltweit sind jedoch nicht identisch: Singapur, Paris und Zürich bei der Economist Intelligence Unit und Luanda, Hongkong und Tokio bei Mercer.

[2] Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel „Bei welcher Schule sollten Sie Ihre Kinder anmelden?“.

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