Wenn sich am Geldausgeben unsere Nationalität erkennen lässt

In Zeiten der Globalisierung werden unsere Verhaltensweisen als Verbraucher einander immer ähnlicher und kulturelle Unterschiede verschwinden allmählich. Wir konsumieren alle mehr oder weniger das Gleiche und kaufen mehr oder weniger identische Waren. Dies gilt vor allem für die Europäische Union, wo Kulturen immer durchlässiger und Grenzen immer fließender werden.

Konsum durch lokale Vorlieben beeinflusst

Doch bei genauerem Hinschauen sind wirklich globale Produkte eine Illusion. So haben Getränke wie Kaffee, Bier oder Wein nicht überall denselben Geschmack und werden in Ländern wie Frankreich, Belgien, Ungarn oder Spanien nicht auf dieselbe Art und Weise oder in denselben Mengen konsumiert. Selbst in einer Welt der zunehmenden Globalisierung bleibt der Konsum in weiten Teilen durch lokale Vorlieben beeinflusst. Je nach Kultur und Nationalität gehen wir auch beim Geldausgeben anders vor.

Schon in der Großregion sind hier erhebliche Unterschiede zu beobachten. Deutsche finden am Konsum als Freizeitbeschäftigung oder am Einkaufsbummel am geringsten Gefallen. Je nachdem, was sie kaufen wollen, legen sie sehr strenge Auswahlkriterien fest, vergleichen Preise, sind empfänglich für Werbeaktionen und kaufen bei Discountern ein. Franzosen betrachten demgegenüber das Einkaufen als etwas, das Spaß macht, neigen dazu, mehr Freizeit- und Kulturprodukte zu konsumieren und geben der Qualität den Vorzug vor der Quantität. Belgier zählt man seit langem zu den besten Sparern der Welt. Sie sind eher preissensibel und auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bedacht. Die Einwohner Luxemburgs profitieren häufig von der geringen Größe des Landes und kaufen bei ihren großen französischen, deutschen oder belgischen Nachbarn ein.

Beschleunigter Wandel seit der Krise

Die obigen Beispiele sind natürlich Verallgemeinerungen, die nicht unbedingt auf alle Einwohner der genannten Länder zutreffen. Die Großregion ist ein Schmelztiegel vielfältiger Kulturen. Allein Luxemburg zählt nicht weniger als 170 verschiedene Nationalitäten! Doch die Krise hat auch hier ihre Spuren hinterlassen und die Konsumgewohnheiten grundlegend verändert. Dies gilt vor allem für die gesellschaftlichen Schichten, die hiervon am stärksten betroffen sind.

In den südeuropäischen Ländern erlebte ein großer Teil der Bevölkerung einen erheblichen Kaufkraftschwund und musste seine Konsumgewohnheiten anpassen. Seit der Krise greifen Italiener zu allen sich bietenden Möglichkeiten, um Geld zu sparen: Aufschub von Anschaffungen, sehr starke Preisorientierung und eine regelrechte Explosion auf dem Gebrauchtwarenmarkt. Portugiesen haben ihre Kaufgewohnheiten radikal verändert: starke Einschränkung des Konsums, Fokussierung auf Preise und eine geringere Verbreitung von alternativen Praktiken (Gebrauchtwaren, Kauf von Neuwaren im Internet usw.) zu Gunsten von Waren oder Geräten, die gemeinsam genutzt oder getauscht werden. Wirtschaftliche Zwänge haben auch bei Spaniern zu einer Veränderung ihres Konsumverhaltens geführt. Sie kaufen neue Waren verstärkt im Internet, verkaufen Gegenstände wieder und nutzen Online-Supermärkte.

Dagegen hat in allen mittel- und osteuropäischen Ländern, in denen die Zukunftsaussichten erfreulicher sind, die Zeit, die für das Einkaufen in Geschäften aufgewendet wird, in der gesellschaftlichen Mittelschicht zugenommen. Ihre Kaufkraft ist nämlich gestiegen und Shopping stellt für sie einen angenehmen Zeitvertreib dar

Starke Unterschiede bei Krediten

Schließlich gehen Europäer auch mit Krediten höchst unterschiedlich um. Während sich die Bevölkerung in Süd- und Osteuropa bei Konsumkrediten eher zurückhält, sieht das bei Nordeuropäern ganz anders aus. Insbesondere bei den Briten ist, ähnlich wie bei den Amerikanern, die Kultur von „jetzt kaufen, später zahlen“ weit verbreitet, und sie leben immer mehr auf Pump. Sie allein besitzen 70% der in Europa ausgestellten Kreditkarten. Diese Zahl ist beeindruckend und beunruhigend zugleich, denn sie macht das Risiko der Überschuldung deutlich, mit dem Millionen von Haushalten in Großbritannien in mehr oder weniger naher Zukunft konfrontiert sein werden…

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