Was bedeutet Kreislaufwirtschaft und wie profitieren wir davon?

Das innovative Modell der Kreislaufwirtschaft ist ein topaktuelles Thema. Aber was genau versteht man darunter und wie kann sie uns helfen, Geld zu sparen?

Das Anfang der 2000er Jahre geprägte Konzept der Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, die eingesetzten Rohstoffe soweit möglich über einen einzigen Lebenszyklus eines Produkts oder einer Ware hinaus in weiteren Produktionsprozessen wiederzuverwerten, um anstelle von Abfällen neue Produkte zu schaffen. Die Kreislaufwirtschaft inspiriert sich an der Biosphäre, in der natürliche Kreisläufe sich fortlaufend wiederholen. Die Zersetzungsprodukte dienen wieder als Boden, Naturdünger oder Ausgangsmaterial für neue Produkte. Man spricht daher auch vom Prinzip „Cradle-to-Cradle“ (von der Wiege zur Wiege).

Luxemburg sieht sich als Pionier der Kreislaufwirtschaft in Europa. Es gibt bereits mehrere Initiativen in den Industrie- und Wirtschaftssektoren des Landes, aber auch auf Bürgerebene und in lokalen und regionalen Vereinen. Diese Bürgerprojekte entwickeln neue Konsumformen und können Anregungen geben, wie man weniger Geld ausgibt.

Tauschen und ausleihen statt kaufen

So hat die Umweltschutzorganisation Mouvement Ecologique eine partizipative Online-Plattform zum Teilen und Verleihen eingerichtet[1]. Sie bringt Menschen zusammen, die Gegenstände aus den unterschiedlichsten Bereichen verleihen oder ausleihen möchten. Dazu gehören die Bereiche Baby- und Kinderausstattung, Kochen, Umzug, Garten, Mobilität, Medien und Elektronik, Werkzeug, Reisen oder Sport. Um an der Plattform mitzumachen, kleben Sie einfach Aufkleber mit den Dingen, die man bei Ihnen ausleihen kann, auf Ihren Briefkasten, und die Interessenten klingeln an Ihrer Tür. Oder aber Sie nehmen online teil, indem Sie die ausleihbaren Gegenstände ins Internet stellen und warten, bis jemand sie anfragt, oder Sie wählen einen Gegenstand, den Sie selbst brauchen, in der Datenbank aus. Und das Beste: All das ist kostenlos, sogar die Aufkleber für Ihren Briefkasten!

Beim Carsharing und Bikesharing können Sie überall im Land gegen eine geringe Gebühr für kurze oder längere Fahrten ein Fahrrad oder ein Auto ausleihen - manche sogar mit Elektroantrieb. 

Gegen einen kleinen Beitrag können Sie ferner Mitglied in lokalen Tauschringen oder Tauschbörsen (Systèmes d’échange locaux - SEL) werden, um Dienstleistungen wie Reparaturen, Heimwerken, Gartenarbeiten, Kinderbetreuung oder Schülernachhilfe zu teilen. Für jede erbrachte Leistung erhalten Sie eine interne Tauscheinheit, die Sie dann gegen Güter oder Leistungen eintauschen können, die ein anderes Mitglied hergestellt hat oder anbietet.

[1] http://www.dingdong.lu/

Reparieren statt wegwerfen

Ein anderes Prinzip der Kreislaufwirtschaft, von dem alle profitieren, ist, kaputte Dinge selbst zu reparieren, anstatt neue zu kaufen. Wenn Sie beim Reparieren ein Anfänger sind, wird das Internet Ihr bester Freund werden! Dort finden Sie zahlreiche Tutorials mit Anleitungen, um einfach alles zu reparieren: vom Computer über Haushaltsgeräte, Kleidung und Accessoires bis zum Auto[1]. Und wenn es nicht klappen sollte, können Sie immer noch in ein Repair Café gehen. In einer solchen Werkstatt können Sie Ihren Gegenstand von einem Fachmann begutachten lassen, das kann eine Schneiderin oder ein Schreiner, ein Elektriker oder ein Allround-Heimwerker sein. Wenn Ihr gutes Stück reparierbar ist, reparieren Sie sie es gemeinsam im Repair Café, wobei das Ziel lautet, dass Sie es beim nächsten Mal selbst reparieren können! Dieses Konzept ist in den Niederlanden entstanden und wurde seit Kurzem auch nach Luxemburg exportiert[2].

Alle diese Initiativen, die aus der Kreislaufwirtschaft entstanden sind, haben einen weiteren, durchaus erwünschten Vorteil: Sie fördern das Miteinander, den Austausch von Wissen und Fähigkeiten und den sozialen Kontakt. Machen Sie mit!

[1] Die Website ifixit.com enthält zum Beispiel fast 40.000 kostenlose Tutorials zu mehr als 11.000 Geräten.
[2] Repair Café Luxembourg

 

 

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